Historische Bauten

Ehem. Schlösser in Weißenhorn, Sanierung und Modernisierung

  • Ehem. Schloss in Weißenhorn, Sanierung und Modernisierung
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Projektbeschreibung:  Die Schlossanlage Weißenhorn besteht aus drei Baukörpern. Im Osten befindet sich der älteste Teil, das sogenannte Neuffenschloss, das um 1460/70 errichtet wurde. Im Westen liegt das um 1513/14 erbaute Fuggerschloss. Die beiden Schlösser wurden später durch einen Zwischenbau verbunden, der in seiner jetzigen Form wohl um 1735 über den Fundamentresten eines Vorgängerbaus der Schlossanlage erbaut wurde. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte eine weitgehende Barockisierung der gesamten Schlossanlage. Von 2009 bis 2013 wurden die Schlösser für die weitere Nutzung als Rathaus mit Sitzungssälen und Räum¬lichkeiten für die Stadtverwaltung sowie eine Gastronomische Nutzung grundlegend instandgesetzt.

Statische Voruntersuchungen

Auf Grundlage eines verformungsgerechten Aufmaßes erfolgte die Aufnahme und Dokumentation der vor-handenen Schäden an der Bausubstanz. Während die Schäden an den Dachtragwerken sowie an Mauerwerks- und Fachwerkwänden durch handnahe Prüfung umfassend untersucht werden konnten, war die Erfassung und Beurteilung der Schäden an den Holzbalkendecken aufgrund der noch laufenden Nutzung nur eingeschränkt möglich. Nach Beurteilung der Rissbilder und Verformungen an den Decken wurden die Sondieröffnungen auf das nötigste Maß begrenzt. Im Anschluss erfolgte die statische Nachrechnung anhand einzelner Teilsysteme zur Beurteilung der Tragfähigkeiten und zur Bewertung der zum Teil erheblichen Verformungen (ausbauchende Wände, Rissbildungen, durchhängende Decken, etc.), sowie der am Tragwerk ablesbaren Umbaumaßnahmen. Hierbei wurden auch Lastumlagerungen durch diverse Umbaumaßnahmen früherer Bauphasen rechnerisch nachvollzogen.

Instandsetzung der Schlösser
Bei jedem der drei Baukörper waren unterschiedliche statische Herausforderungen zu bewältigen.

Neuffenschloss
Beim Einbau einer Treppenanlage im Zuge der Barockisierung wurde die Bundbalkenlage des Kehlbalkendachstuhles in einem Teilbereich durchtrennt, was mit Ursache für die Ausbauchung der Ostwand war. Zur Wiederherstellung der statischen Zugbandwirkung der Deckenbalkenlage wurden zwischen den Deckenbalken ringförmig um die Treppenöffnung Stahlzugglieder vorgesehen.
Im 1. OG wurde ein ehemals vorhandener Saal wiederhergestellt, hierfür musste eine aufgrund von Lastum-lagerungen mittlerweile tragende Wand ausgebaut werden. Zur Abtragung der Lasten aus dem darüber liegenden Geschoss wurden zwischen den Deckenbalken Stahlträger verlegt, die an den vorhandenen Durchhang der Decke angepasst wurden. Zur Abtragung der auf die auszubauende Wand wirkenden Lasten aus dem Dachtragwerk erfolgte in diesem der Einbau eines zusätzlichen Mittelüberzuges der mit Aufhängungen aus Rundstählen und unter Nutzung der noch vorhandenen Tragreserven der Sparren die Dachlasten auf die Außenwände abträgt. Der Gesamteindruck des Dachtragwerkes wird hierdurch nur minimal gestört.
Für die gemauerten Gewölbe im Erdgeschoss war eine gastronomische Nutzung vorgesehen. Nachdem die Räumlichkeiten hier begrenzt sind, wurden Kellerräume erstellt. Hierzu wurde der Westteil des Schlosses abschnittsweise im Pilgerschrittverfahren mit entsprechenden von uns geplanten Sicherungsmaßnahmen ausgehoben und das vorhandene Fundamentmauerwerk unterfangen. Abschließend wurden Stahlbetondecken eingebaut

Fuggerschloss
Im 2. Obergeschoss sollte ein ehemals über die gesamte Gebäudebreite vorhandener Saal zur künftigen Nutzung als „Großer Sitzungssaal“ wiederhergestellt werden. Zur Aufhängung der zwischenzeitlich auf später eingebauten Zwischenwänden aufliegenden Bundbalkenlage wurde ein im Dachraum vorhandenes, wie die statische Nachrechnung gezeigt hatte, aber zu schwach ausgebildetes Hängewerk an den Knotenpunkten verstärkt und reaktiviert, sodass der Gesamteindruck des historisch gewachsenen Dachwerks unverändert erhalten bleiben und dennoch der große Sitzungssaal realisiert werden konnte. Im EG des Fuggerschlosses wurde ein ehemals vorhandener Raum durch eine tragende Wand geteilt.
Der Wunsch des Architekten, die noch vorhandene, durchgängige Holzbalkendecke wieder sichtbar zu machen, wurde durch den Einbau einer filigran ausgebildeten, tragenden Stahl-Glas-Konstruktion realisiert.

Zwischenbau
Die größten statischen Eingriffe waren im nördlichen Teil des Zwischenbaus vorgesehen, der als Hauptzugang mit Treppenhaus und Aufzug und für die Technikzentrale vorgesehen war, notwendig.
Aufgrund der hohen Verkehrslasten im Bereich der Zugangsflächen und der Lasten aus dem im Dachraum untergebrachten Archives wurde hier einer zusätzliche Stahlkonstruktion mit zwei über die Geschosse durchlaufenden Rundstützen zur Unterstützung der Deckenbalkenlagen erforderlich. Bei der Planung der Stützkonstruktion wurde die vorhandene starke Durchbiegung der Deckenbalkenlage von mehr als 20 cm ausgenutzt. Anstelle von sichtbaren Unterzügen unterhalb der Deckenbalkenlage wurden Überzüge eingebaut, an die die Deckenbalken angehängt wurden. Somit konnten die Überzüge dann komplett im neuen Deckenaufbau integriert werden konnten.
Zur Unterbringung der Technikzentrale war wie im Neuffenschloss auch hier die Erstellung von zusätzlichen Kellerräumen unter dem Zwischenbau vorgesehenen. Aufgrund von hier nach Vorsondierungen vermuteten Fundamentresten eines Vorgängerbaus musste die Erstellung der Kellerräume abschnittweise in enger Abstimmung mit der Bodendenkmalpflege erfolgen. Auch hier wurde die Unterfangung im Pilgerschrittverfahren durchgeführt. Aufgrund der Unterfangungstiefen von ca. 4 m waren hier zwei Abschnitte von je 2 m Tiefe geplant. Das abschnittsweise Vorgehen beim Aushub machte das parallele Arbeiten von Baufirma und Archäologen ohne nennenswerte Verzögerungen der Bauzeit möglich.
Auftraggeber:
Stadt Weißenhorn
Leistungsumfang:
Tragwerksplanung LPH 1-8
Objektplanung LPH 6-8 (Zimmerer- und Holzbauarbeiten)
Fotografie:  
(C) DR. SCHÜTZ INGENIEURE
Veröffentlichungen:
Projektbeteiligte:  
Architekt: Mann+Partner, Laupheim


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